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Unsere ERFURT-Expertentipps

Das Tapezierer-Gewerk hat sich in den letzten Jahren ständig verändert – das trifft auf Regelwerke und Materialeigenschaften ebenso zu wie auf die Beschaffenheit der jeweiligen Untergründe. Gelernte Verarbeitungsgewohnheiten mussten in der Folge verändert und angepasst werden. Der überwiegende Teil der erhältlichen Wandbekleidungen sind „Vliestapeten“, mit denen wir uns hier schwerpunktmäßig befassen werden.

 

Expertentipp – Teil 1: Offene Nähte nach der Trocknung

Was tun, wenn die Nähte nach dem Trocknen aussehen, als wollten Sie sie noch verfugen, obwohl ordentlich gearbeitet und ein adäquat starkes Klebemittel verwendet wurde?

Häufig liegt die Wurzel des Übels in einem zu schwach oder zu stark saugfähigen Untergrund begründet: Ist er nicht ausreichend saugfähig, kann das Klebemittel nicht schnell genug trocknen. Die Wandbekleidung aber schon. Zieht sie sich nun auch nur einen Millimeter zusammen, öffnet sich die Naht, da das noch feuchte Klebemittel die auftretende Spannung noch nicht auffangen kann.

Oft werden zur Untergrundvorbehandlung sogenannte Universalgrundierungen, Anstrichmittel oder ein Mix aus beidem eingesetzt, die den Untergrund zu stark absperren können: Ist der Untergrund zu stark saugfähig, schlägt der Kleister in den Untergrund weg – was übrigbleibt, ist zu wenig. Das Ergebnis: Die Anhaftung ist schwach, die Nähte geöffnet.

Generell sollte nur so viel Kleister verwendet werden, dass die Bahn bei der Verarbeitung noch verschiebbar ist, aber so wenig, dass der Kleister nicht an den Kanten herausquillt. Bei zu viel Kleister können die Tapetenbahnen aufschwimmen.

Last but not least: Bleibt der Nahtbereich teilweise sichtbar, obwohl die Naht ordnungsgemäß gestoßen wurde, war der Untergrund möglicherweise nicht glatt bzw. eben genug. An Erhebungen und Vertiefungen fällt die ungefärbte, meist weiße Bahnen-Außenkante auf. Da farbiges Retuschieren selten gute Ergebnisse liefert, ist es wichtig, bereits vor dem Tapezieren auf ausreichende Glätte und Ebenheit des Untergrundes zu achten.

 

Expertentipp – Teil 2: Verfärbung

Was tun, wenn die Wandbekleidung sich verfärbt oder fleckig wird?

Grund für Flecken muss nicht unsaubere Arbeit sein. Wasserlösliche Bestandteile (beispielsweise Nikotin), insbesondere in Untergründen mit unbekannter Geschichte, können zu Verfärbungen führen. Das ist nicht immer vorab festzustellen. Die Verschmutzungen werden durch das Wasser im Klebemittel gelöst und ziehen während der Trocknung durch die Wandbekleidung. Nach Verdunstung des Wassers bleibt die Verschmutzung zurück. Lösung: Solche Untergründe sollten vor der Tapezierarbeit abgesperrt und mit einem Unterlagsstoff (Makulatur/Vlies) beklebt werden.

Verfärbungen können aber auch als Reaktion von Naturwerkstoffen und Metallen auf Alkalität / hohe pH-Werte entstehen. Sie glauben, dass in Ihren Wandbekleidungen keine Naturwerkstoffe und Metalle enthalten sind? Vielleicht irren Sie sich: Raufaser enthält als Naturwerkstoff Holzkörner, und aktuell setzen viele Wandbekleidungen auf Druckfarben mit metallischen Pigmenten.

Also: Vorsicht bei der Verarbeitung auf alkalischen Untergründen wie frischem Beton oder zementären Spachtelmassen, insbesondere aber bei der Verarbeitung alkalischer Klebemittel (günstige Fertigkleister).

 

Expertentipp – Teil 3: Spachtelmassen

Was tun, wenn die Wandbekleidungsnaht offensteht oder sich wölbt?

Auf der Wandbekleidungsrückseite sind Spachtelmassenanhaftungen sichtbar? Grund dafür ist zunächst eine zu geringe Anhaftung der Spachtelmasse auf dem Untergrund. Warum es überhaupt dazu kommt? Ursache können Kleisterrückstände sein, die nach dem Auftrag der Spachtelmasse erneut anquellen und eine Trennschicht bilden. Es könnte aber auch sein, dass auf einer nicht vollständig ausgehärteten oder nicht für die Feuchtigkeitsbelastung im Zuge einer Tapezierung ausgelegten Spachtelmasse gespachtelt wurde.

 

Expertentipp – Teil 4: Grundierungen

Was tun, wenn der Untergrund durch ein falsches Grundiermittel oder eine zu stark absperrende Grundierung nicht mehr ausreichend saugfähig ist und es zu Nahtöffnungen kommt?

Oftmals sind Nahtbereiche der Grund, die mit Anstrichmittel vorgestrichen wurden. Wenn der Untergrund nicht saugfähig genug ist, kann der Kleber nicht schnell genug trocknen – die Wandbekleidung aber schon. Wenn diese sich auch nur einen Millimeter zusammenzieht, öffnet sich die Naht, weil der noch feuchte Kleber die entstehende Spannung noch nicht auffangen kann.

Doch auch eine Grundierung auf Schleifstaubresten kann der Grund sein. Staubreste müssten zwar bei einem normalen Grundierungsauftrag mit Deckenbürste oder Farbwalze auffallen, aber nicht bei einem Auftrag per Airless-Gerät. Dann kann der schwach verfestigte Untergrund den beim Tapezieren auftretenden Spannungskräften nicht standhalten. In der Folge löst sich die Verklebung – die Naht ist geöffnet.

Wenn sich Wandbekleidungen auf Gips(-karton)platten nicht ablösen lassen, wurde vielleicht mit Kleister oder gar nicht grundiert. Beides macht ein späteres Ablösen der Wandbekleidung unmöglich.