Musterhafte Tapeten-Kunst

Erfurt-Variovlies in Hongkong mit historisch handwerklicher Technik bearbeitet und ausgestellt

25.08.2014

Wuppertal, August 2014 - (fpr) Was haben chinesische Kinder, ein Berliner Künstler und Tapeten aus Wuppertal gemeinsam? Sie alle sind Teil eines Kunstprojekts über die industriellen Produktionsbedingungen von der vorindustriellen Zeit bis heute, dessen Ergebnisse vom 3. Mai bis zum 13. Juli 2014 erfolgreich in Hongkong ausgestellt wurden.

 

Die Erfurt-Vliesfaser als Kunstobjekt

Zehn Kartons à 20 Rollen Variovlies V 200s stellte Erfurt & Sohn dem Berliner Künstler Philip Wiegard im April 2014 zur Verfügung. Sein Ziel: Die Technik, die in der vorindustriellen Zeit für handgefertigte Muster bei kleinformatigen Kleisterpapieren angewendet wurde, mit Kinderhänden auf großformatige zu übertragen und sie damit weiterzuentwickeln. Dazu rief Philip Wiegard den „children’s wallpaper workshop“ ins Leben, in dem 32 Kinder im Alter von zehn bis 15 Jahren aus ganz Hongkong unter seiner Leitung die Tapeten-Kunst in elf Tagen entstehen ließen. „Die Kinder mussten sich an einen festen Arbeitsablauf halten, um die geometrischen, sich wiederholenden Muster herzustellen. Trotz dieses vorgegebenen Rahmens hinterlässt jedes Kind durch die manuelle Ausführung seine eigene Signatur“, erklärt Philip Wiegard. Aber warum fiel die Wahl des Materials auf eine Tapete von Erfurt? „Sie hat sich auch schon bei Vorläuferprojekten sehr gut bewährt. Das Variovlies V 200s eignet sich vor allem, weil die Farbe darauf haftet, aber nicht aufgesaugt wird, die Tapete trocken abziehbar ist und in diesem Sinne auch wiederverwertbar und weil sie dimensionsstabil ist.“ Diese Eigenschaften machen es laut Wiegard technisch erst möglich, Kleisterpapiere als großformatige Tapeten herzustellen, was auf normalem Papier aus diversen Gründen nicht der Fall sei.

 

Ausstellung war ein voller Erfolg

Zehn Wochen lang hatten Besucher die Möglichkeit, sich in den Lokalitäten von Spring, einer Non-Profit-Organisation für künstlerische Förderung, einen Eindruck von diesem Werk zu machen. „Während der gesamten Dauer, also auch bei der Eröffnung und bei einer begleitenden Veranstaltung, war die Ausstellung sehr gut besucht und hat großen Anklang bei seinem internationalen Publikum gefunden“, so Wiegard.

 

Details zum Künstler

Philip Wiegard ist bildender Künstler aus Berlin und arbeitet hauptsächlich in den Medien Skulptur und Fotografie. Seit circa 2 Jahren beschäftigt er sich mit Kleisterpapier. Er hat Buntpapiersammlungen in Berlin und Leipzig besichtigt und interessiert sich vor allem für die Herrnhuter Kleisterpapiere und deren historische Produktions- und Vertriebsbedingungen. In seiner praktischen Arbeit versucht er, historische Muster zu reproduzieren, mit Schwerpunkt auf performativen Aspekten des Entstehungsprozesses.

 

Weitere Informationen zum Workshop unter www.springworkshop.org.

Weitere Informationen zu Erfurt & Sohn unter www.erfurt.com.

 

Bildunterschriften

 

Bild 01

Arbeit an Festoons, April 2014 (Foto: Athena Wu)

 

Bild 02

Arbeit an Marshmallow Mold, April 2014 (Foto: Athena Wu)

 

Bild 03

Arbeit an Festoons, April 2014 (Foto: Athena Wu)

 

Bild 04

Festoons und Untitled (Christodoulos Panayiotou) (Foto: Kwan Sheung Chi)

 

Bild 05

Ausstellungsansicht „The Permeability Of Certain Matters“, Spring Workshop, Hong Kong (Foto: Kwan Sheung Chi)

 

Bild 06

Marshmallow Mold, 2014, Detailansicht (Foto: Kwan Sheung Chi)

 

Bild 07

Marshmallow Mold, 2014, Installationsansicht Spring Workshop, Hong Kong (Foto: Kwan Sheung Chi)